Gemeinde Obertaufkirchen

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Chronik der Gemeinde Obertaufkirchen

 

Lange Zeit vor der Entstehung der Gemeinden zu Anfang des 19. Jahrhunderts bildete Obertaufkirchen (bis ins 17. Jahrhundert meist nur Taufkirchen genannt) im mehrstufigen Verwaltungsaufbau des Herzogtums Bayern eine "Obmannschaft" innerhalb des herzoglichen Landgerichts Neumarkt (heute: Neumarkt-St. Veit), zu dem es vom 14. Jahrhundert bis 1803 gehörte. Damit war es durchgängig Teil Niederbayerns, wenn auch Grenzgebiet zur oberbayerischen Grafschaft Haag.

Zugleich existierten für die Vogtgerichtsuntertanen des Erzstifts Salzburg auf dem heutigen Gemeindegebiet zwei "Obmannschaften", die vermutlich bis ins Hochmittelalter zurückreichen: Obertaufkirchen und Oberornau. Die bis 1972 bestehende Grenze zwischen den beiden ursprünglichen Gemeinden deckte sich mit der schon seit dem Mittelalter existierenden Grenze zwischen den beiden Obmannschaften.

Im Hochmittelalter war der Raum um Obertaufkirchen durchsetzt mit Sitzen von Ministerialen, die im Auftrag ihrer hochadeligen Herren das Gebiet militärisch sicherten und verwalteten. Sie konzentrierten sich auf der südlichen Hangkante über dem Isental (Allersheim in der Gde. Schwindegg, Rampoldsheim, Hohenthann, Thalham), und in den Tälern des Kagenbaches (Mimmelheim, Deutenheim, Weiher, Kirchkagen), des Ornaubaches (Mesmering, Pfaffenkirchen, Frauenornau, Steinkirchen, Ratzenberg) und des Rimbaches (Rimbach in der Gde. Schwindegg, Hofgiebing). Allein Hohenthann und Hofgiebing überlebten das Mittelalter und entwickelten sich zu einem Edelsitz bzw. einer Hofmark, während die übrigen zu Bauernhöfen absanken.

Um das Jahr 790 scheint das Gemeindegebiet von Obertaufkirchen zum ersten Mal in den schriftlichen Quellen auf. Das Erzbistum Salzburg nennt an der Ornau drei Kirchen mit sieben Höfen sein Eigen, ohne allerdings konkrete Ortsnamen anzuführen. Obertaufkirchen gehörte sicherlich zu diesen drei bischöflich salzburgischen Eigenkirchen, vermutlich auch Oberornau und möglicherweise Steinkirchen. Aber nur Obertaufkirchen entwickelte sich sehr früh zu einer Pfarrkirche mit reichem Grundbesitz, die - wie der Name sagt - Taufrecht besaß. Zugleich war sie Grenzpfarrei zum im Westen direkt benachbarten Bistum Freising. Bis 1808 gehörte Obertaufkirchen zum Erzbistum Salzburg, das für unseren Raum über 1000 Jahre von überragender Bedeutung war, und wurde dann dem Bistum Freising zunächst provisorisch, 1817 dann endgültig eingegliedert. Im 11. bzw. spätestens im 12. Jahrhundert erhielt die Pfarrei einen festen räumlichen Sprengel, der die salzburgische Obmannschaft Obertaufkirchen sowie das Gebiet der späteren Hofmark Schwindegg (das Kerngebiet der heutigen Gemeinde Schwindegg) umfasste. Beide Räume waren kirchlich durch die gemeinsame Pfarrkirche wie herrschaftlich durch das Ausgreifen der Hofmark Schwindegg in das Gebiet von Obertaufkirchen stets eng miteinander verbunden. Gleichzeitig mit dem Aufstieg Obertaufkirchens zur Pfarrkirche wurden die bisherigen Eigenkirchen der Ministerialen zu Filialkirchen: Kirchkagen, Mesmering (abgegangen), Pfaffenkirchen, Frauenornau, Steinkirchen, Grüngiebing, Reibersdorf, Rottenbuch sowie das Schlossbenefizium Schwindegg. Oberornau und Hofgiebing gehörten als Filialkirchen zur Pfarrkirche Reichertsheim.

1473 stiftete Wilhelm von Fraunhofen, Schlossherr von Schwindegg, ein Messbenefizium bei der Kirche in Frauenornau. Spätestens seit diesem Zeitpunkt entwickelte sich eine heute noch bestehende Wallfahrt zum dortigen Gnadenbild Maria vom Trost, einer sehr schönen spätgotischen Madonna. Von der Pfarrkirche Obertaufkirchen führt ein Wallfahrtsweg nach Frauenornau mit 15 Granitstelen am Wegesrand, die jeweils ein Bild der 15 Rosenkranzbitten tragen. Nachweislich seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand in Annabrunn eine Wallfahrt zu einer heilbringenden Quelle, wo auf Betreiben der Schwindegger Schlossherrin Anna Regina Gräfin Fugger eine Kapelle gebaut wurde. Bis ins 19. Jahrhundert hinein erfreute sich das Heilbad Annabrunn eines regen Besuches.

Seit 1803 machten sich die Reformen des Staatsministers Graf Montgelas auch in Obertaufkirchen bemerkbar. Das bayerisch gewordene Mühldorf wurde 1803 anstelle von Neumarkt der neue Sitz des Landgerichts, das gleichzeitig von Niederbayern nach Oberbayern umgegliedert wurde. Im Zuge einer völlig neuen Steuergesetzgebung, die mit der Landesvermessung einher ging, bildeten Obertaufkirchen und Oberornau seit 1808 jeweils einen Steuerdistrikt, die das Gebiet der zukünftigen politischen Gemeinden darstellen sollten. Die Gemeindebildung selbst verzögerte sich jedoch bis 1818. Damals war Obertaufkirchen mit 172 Familien die größte Gemeinde im neuen Landgericht Mühldorf. Weil man das Landgericht Mühldorf bald für zu groß hielt, teilte die Staatsregierung 1838 die Gemeinden Obertaufkirchen, Oberornau und weitere dem neu gebildeten Landgericht Haag zu. 1879 betrieben jedoch die drei Gemeinden Obertaufkirchen, Schwindegg und Schwindkirchen, vom Landgericht Haag wieder zum Landgericht Mühldorf zurückgegliedert zu werden, während Oberornau beim Landgericht Haag bzw. Landgericht Wasserburg verblieb. Erst durch die Gebietsreform von 1972 wurde es mit der Gemeinde Obertaufkirchen vereinigt und kehrte damit in den Landkreis Mühldorf zurück. In den Jahren 1978 bis 1993 bildete die Gemeinde mit der Gemeinde Schwindegg eine Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Schwindegg. Durch Beschluss des Landtags erlangte die Gemeinde Obertaufkirchen zum 1. Januar 1994 ihre verwaltungsorganisatorische Eigenständigkeit wieder.

Wie überall in Bayern wurden die wehrfähigen Männer der Gemeinde zum Militär eingezogen und in die Kriege geschickt, angefangen von den Napoleonischen Kriegen über den Krieg 1866 gegen Preußen, den Krieg gegen Frankreich 1870/71 bis hin zum 1. und 2. Weltkrieg. Allein in diesen beiden letztgenannten Kriegen haben 192 Obertaufkirchener und 75 Oberornauer ihr Leben gelassen.

Obertaufkirchen mit seinen guten Getreideböden war von jeher ein rein landwirtschaftlich geprägter Raum. An Gewerbebetrieben gab es nur Mühlen und Schmieden, weil sie für die Landwirtschaft unerlässlich waren. Erst mit der Elektrifizierung des Gemeindegebietes ergaben sich neue Möglichkeiten, und 1899 entstand hier eine Raiffeisenbank als eines der ältesten Institute seiner Art.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges, der glücklicherweise hier keine großen Schäden anrichtete, streiften die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft auch Obertaufkirchen. Im Ortsteil Thalham wurde eine Bahnstation und direkt angrenzend ein sogenanntes Anhaltelager für KZ-Häftlinge errichtet, die man aus dem KZ Dachau zur großen Bunkerbaustelle Mettenheim im Mühldorfer Hart transportierte. Der Zuzug von Heimatvertriebenen ab 1945 brachte Bevölkerungswachstum, aber keinen nennenswerten wirtschaftlichen Aufschwung, weil dieser sich im Wesentlichen auf Waldkraiburg konzentrierte. Erst ab den 1960er Jahren ließen sich kleinere Gewerbebetriebe insbesondere in Obertaufkirchen nieder und in Steinkirchen erwuchs ein Zentrum für metallverarbeitende Unternehmen. Um die Wirtschaft zu fördern wies die Gemeinde in den letzten Jahren im Ortsteil Straß weitere Gewerbeflächen aus. Gleichzeitig entstanden und entstehen in den beiden Siedlungsschwerpunkten Obertaufkirchen und Oberornau neue Wohnbaugebiete, die zusammen mit der vor kurzem generalsanierten Grundschule und dem Kindergarten mit angegliederter Kinderkrippe ein nachhaltiges und geordnetes Wachstum garantieren. Eingebettet in eine herrliche Landschaft zwischen Rimbach, Ornaubach und Kagenbach ist die Gemeinde mit ihren familienfreundlichen Strukturen, einem vielfältigen, attraktiven Orts- und Vereinsleben und einer zukunftsorientierten Haushaltsführung für die kommenden Jahrzehnte gut gerüstet.